Gleich drei Sondervorstellungen der Neufassung des Georg-Kreisler-Musicals „Heute Abend: Lola Blau“ gibt es am 23. und 26. April sowie am 3. Mai 2009 jeweils um 19.30 Uhr in der Neuen Synagoge Gelsenkirchen, Georgstraße 2.
Georg Kreisler, einer der großen, noch lebenden Zeitzeugen des vergangenen Jahrhunderts (und in Gelsenkirchen kein Unbekannter), lässt in dem Musical aus dem Jahre 1971 die jüdische Sängerin und Schauspielerin Lola Blau auf demselben Weg aus Deutschland fliehen, den auch er gehen musste: Flucht vor den Nazis aus Wien, über Basel, Paris in die USA, dort schließlich nach Hollywood. Konrad Chr. Göke schrieb zu dem Musical eine neue Fassung für Akkordeon und Klarinette, für einen schauspielernden Musiker und zwei Sängerinnen. Die Erstaufführung im November 2008 in Duisburg war bei Publikum und Kritik ein großer Erfolg.
Autor und Regisseur Göke hat die Neufassung zwei herausragenden Protagonisten auf den Leib geschrieben: Heike Maria Förster und Marko Kassl. Heike Maria Förster ist Lola Blau. Sie zeigt eine außergewöhnliche darstellerische und sängerisches Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten von der junge bis zur reifen, resignierten Lola. Das Publikum spürt ihren unbekümmerten und lebensfrohen Optimismus bei der Abreise zu ihrem ersten Engagement, erlebt ihre Verzweiflung mit, als ihre heile Welt sich in nichts auflöst, alles was ihr Heimat, ihr vertraut war, ihr plötzlich nach dem Leben trachtet, sie heimatlos wird. Ihre Welt zerbricht gänzlich, als sie in einer Show in Hollywood die ahnende Gewissheit überfällt, dass ihr verzweifelt gesuchter Leo „sich in den Himmel zerstaubt“ hat, wie Georg Kreisler schreibt und an die Schornsteine von Auschwitz dachte.
Marko Kassl, ein Virtuose auf dem Akkordeon, der aus seinem Instrument ein ganzes Orchester zaubert, überzeugt auch schauspielerisch in mehreren Rollen. Er spielt Lola Blaus Jugendliebe, der es nicht gelingt, sie zur gemeinsamen Flucht zu überreden, einen Nazi-Hausmeister, der Lola aus ihrer Wohnung wirft, den Jubel-Nazi auf der Schiffspassage nach New York, den ewigen Mitläufer Herrn Schmidt u. a..
Als Sinnbild der Jugend, ihrer Verführbarkeit, hat der Göke noch die Rolle einer jungen, schauspielernden Sängerin hinzu geschrieben. Mit gläubiger Inbrunst singt Stella-Louise Göke die Nazihymne: „… und die Fahne flattert uns voran“ und ist kurz darauf eine verstörte junge Frau nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Warschau, die das Lied von Polenmädchen singt. Das Duett gegen Schluss zeigt beide Darstellerinnen in komödiantischer Höchstform. Der Zauber der Vorstellung liegt in der Spannung zwischen ergreifenden Szenen, die einen zutiefst berühren, und frechen, witzigen Songs Georg Kreislers.
Foto: Fotoagentur-Ruhr (Bettina Engel)



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