Die Künstlersiedlung Halfmannshof mag gerade im Winter etwas verschlafen oder in die Jahre gekommen wirken, doch der Hof besitzt eine einzigartige Geschichte. «Wir sind die älteste durchgängig aktive Künstlersiedlung in Deutschland», sagt die erste Vorsitzende der Künstlersiedlung, Katja Langer. Die 32-Jährige lebt mit ihren beiden Kindern in Gelsenkirchen – 2005 zog die Fotografin aus Dresden in die Künstlersiedlung. Dort arbeitet sie derzeit zusammen mit elf weiteren Künstlern.

Über eine Anzeige war die 32-Jährige auf den Halfmannshof aufmerksam geworden und hatte sich um Aufnahme beworben. «Ich schätze sehr, dass ich mit meinen Nachbarn über die Sachen unterhalten kann, die ich mache», erklärt sie. Zudem sei es «hoch spannend, wie sich die Siedlung entwickelt», betont sie. Gerade der «Spagat zwischen Idylle und Industriekultur» habe die Entwicklung der Künstlersiedlung geprägt.

Nun soll nicht zuletzt das anstehende Kulturhauptstadt-Jahr dafür sorgen, dass die Künstlersiedlung wieder stärker auf sich aufmerksam macht. «Gerade in Zeiten, wo immer mehr an der Kultur gespart wird, ist das wichtig», sagt Szamida, der zweiter Vorsitzender der Siedlung ist. Immerhin sei das Interesse an der Künstlersiedlung in den vergangenen Jahren wieder etwas gestiegen, berichtet Holzbildhauer Jiri Hilmar, der seit 1974 auf dem Halfmannshof lebt und arbeitet.

Neben Holzbildhauern und Fotografen leben Zeichner, Kunstschmiede, Buchbinder oder Zeichner in der Künstlersiedlung. Seit 1989 gehört Barbara Echelmeyer dazu: Sie betreibt eine Keramikwerkstatt. Allerdings war die gebürtige Gelsenkirchenerin schon in ihrer Schulzeit regelmäßig in der Künstlersiedlung zu Besuch. Von 1983 bis 1986 absolvierte sie auf dem Halfmannshof ihre Lehre, einige Jahre später fragte ihre Lehrmeisterin sie, ob sie die Werkstatt übernehmen wolle.

1931 war die Künstlersiedlung auf Initiative des Malers und Grafikers Josef Arens gegründet worden, mit sechs Gründungsmitgliedern startete das Projekt auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofes. «Das war für eine reine Arbeiterstadt wie Gelsenkirchen eine ganz ungewöhnliche Aktion», berichtet Langer. Nicht ganz unproblematisch war allerdings das Verhalten der Künstler in den Zeiten des Nationalsozialismus – die Verstrickungen mit den Mächtigen des NS-Reiches werden derzeit vom Institut für Stadtgeschichte erforscht. Zudem ist eine künstlerische Ausstellung zu dem Thema geplant, die im Oktober 2010 gezeigt werden soll.

Ganzer Artikel/Quelle: http://www.ad-hoc-news.de/kuenstlersiedlung-feature-kuenstlersiedlung-halfmannshof

http://www.kuenstlersiedlung.de/

Der Hintergrund:

Halfmannshof will aufarbeiten
Gelsenkirchen, 19.05.2008,

Künstersiedlung bekennt sich zu seiner Historie auch in der NS-Zeit und strebt eine enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadtgeschichte an.

Die Künstlersiedlung Halfmannshof will sich nun doch offen mit ihrer Vergangenheit vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzen. Dies hätten alle Mitglieder in einer Versammlung einstimmig so beschlossen, sagten gestern die Sprecher Helmut Kloth und Barbara Echelmeyer in einem Gespräch mit der WAZ.
Nach “konstruktiver interner Diskussion des Themas” sei eine von allen elf Mitgliedern getragene “gültige Positionierung” formuliert worden, heißt es: “Der Halfmannshof bekennt sich zu seiner Geschichte als Ganzem, das heißt er befürwortet eine intensive historische Aufarbeitung besonders auch der Zeit von 1933 bis 1945″, heißt es in einer schriftlichen Erklärung.
Und: “Eine enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadtgeschichte ist bereits angestrebt, mit dem Ziel, die nationalsozialistische Ära der Künstlersiedlung wissenschaftlich fundiert aufzuarbeiten.” Ein Gespräch mit Prof. Stefan Goch vom Institut für Stadtgeschichte (ISG) habe es bereits gegeben, so Kloth. Der Halfmannshof besitze ein umfangreiches Archiv. Ob und in welchem Umfang die Verwaltung bzw. das ISG tätig werden, konnte der zuständige Dezernent Manfred Beck gestern (noch) nicht sagen. Die Angelegenheit müsse zunächst im Verwaltungsvorstand besprochen werden. Lob für die Erklärung der Halfmannshöfer Künstler gab es von Albert Ude: “Man muss sich zu seiner Geschichte bekennen.” Nun gehe es darum, sich gelassen und differenziert mit den damaligen Vorgängen auseinanderzusetzen, so Ude. Im nächsten Schritt müsse geklärt werden, wie man damit umgehe.

Wie berichtet, hatte Ude als Mitglied des sich zurzeit gründenden Fördervereins der Siedlung in der vergangenen Woche Kritik an Aussagen Kloths geübt. Dieser hatte auf Anfrage der WAZ die Notwendigung der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte bestritten und erklärt, das “passe nicht in die Linie”. Neben Ude hatte sich daraufhin auch der Halfmannshof-Künstler Pedro Malinowski distanziert und erklärt, dass Kloth in dieser Angelegenheit nicht für die komplette Siedlung spreche. Zum Diskussionspropzess innerhalb der Siedlung wollte Kloth sich nicht äußern: “Das ist eine interne Angelegenheit.”